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Sommerpflege zu Hause · Stand 2026

Pflege und Hitze – So schützen Sie Ihren Angehörigen

Dehydration erkennen, Medikamente richtig handhaben, Räume kühlen: Alles, was Sie für heiße Tage wissen müssen.

Hinweis: Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Besprechen Sie Änderungen der Medikation oder der Trinkmenge immer mit dem behandelnden Arzt.

Warum Hitze für Pflegebedürftige gefährlich ist

Jedes Jahr im Sommer das gleiche Bild: Die Temperaturen steigen, und bei unseren Patienten häufen sich Kreislaufprobleme, Verwirrtheit und Stürze. Das ist kein Zufall. Ältere und pflegebedürftige Menschen können ihre Körpertemperatur schlechter regulieren. Sie schwitzen weniger, spüren Durst später – und viele Medikamente verschärfen das Problem zusätzlich.

Als ambulanter Pflegedienst erleben wir jeden Sommer, wie schnell sich der Zustand eines Patienten bei Hitze verschlechtern kann. Deshalb dieser Ratgeber: Damit Sie als Angehörige wissen, worauf Sie achten müssen – und wann es wirklich ernst wird.

Das Wichtigste in 30 Sekunden

Ihr Angehöriger braucht bei Hitze über 28°C: mindestens 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit am Tag (bei Hitze eher 2 bis 2,5 Liter, sofern keine ärztliche Trinkmengenbeschränkung vorliegt), kühle Räume (Rollläden tagsüber runter, lüften nur morgens und abends), leichte Kleidung und dünne Bettwäsche, und eine Überprüfung der Medikamente durch den Hausarzt.

Trinken – das größte Problem

Ich sage es Ihnen ganz direkt: Die meisten Krankenhauseinweisungen im Sommer bei unseren Patienten haben eine einzige Ursache – zu wenig getrunken.

Warum trinken ältere Menschen zu wenig?

Das Durstgefühl lässt im Alter nach. Viele trinken bewusst wenig, weil sie Angst vor Inkontinenz haben oder nachts nicht auf die Toilette wollen. Manche vergessen es schlicht.

Was Sie tun können

Stellen Sie morgens die Tagesmenge bereit – sichtbar auf dem Tisch, nicht im Kühlschrank. Zwei Flaschen à 0,75 Liter oder eine Karaffe mit Markierungen. So sehen Sie abends sofort, ob genug getrunken wurde. Bieten Sie aktiv an – nicht fragen „Möchten Sie etwas trinken?", sondern hinstellen und sagen „Hier, trinken Sie einen Schluck." Das macht einen enormen Unterschied.

Wenn Ihr Angehöriger ungern Wasser trinkt: Verdünnte Saftschorlen, Kräutertee (lauwarm, nicht heiß), Brühe oder wasserreiches Obst wie Melone und Gurke zählen auch. Wassereis ist ebenfalls eine gute Option – und macht vielen Patienten Freude.

Wichtig bei Herzinsuffizienz: Wenn der Arzt eine Trinkmengenbeschränkung verordnet hat, sprechen Sie ihn vor dem Sommer an. Oft wird die erlaubte Menge bei Hitze leicht angepasst.

Diese Medikamente werden bei Hitze zum Problem

Das wissen viele Angehörige nicht: Bestimmte Medikamente, die Ihr Angehöriger täglich nimmt, können bei Hitze problematisch werden. Nicht weil das Medikament schlecht ist – sondern weil der Körper bei Hitze anders reagiert.

Entwässerungstabletten (Diuretika)

Diese Medikamente schwemmen Wasser aus dem Körper. Bei Hitze verliert der Körper zusätzlich Flüssigkeit durch Schwitzen. Die Kombination kann schnell zur Austrocknung führen. Sprechen Sie den Hausarzt an, ob die Dosis im Sommer angepasst werden sollte.

Blutdrucksenker

Bei Hitze erweitern sich die Blutgefäße von allein – der Blutdruck sinkt. Zusammen mit dem Medikament kann er zu stark abfallen. Die Folge: Schwindel, Schwarzwerden vor den Augen, Stürze. Messen Sie bei Hitze häufiger den Blutdruck. Fällt Ihnen auf, dass der Blutdruck deutlich niedriger ist als sonst, sprechen Sie den Hausarzt an.

Bestimmte Psychopharmaka

Einige Medikamente aus dem psychiatrischen Bereich können die körpereigene Temperaturregulation stören. Der Körper kann sich schlechter abkühlen. Achten Sie besonders auf Überhitzungszeichen und sprechen Sie den behandelnden Arzt an.

Insulin und andere Diabetes-Medikamente

Die Wirkung kann bei Hitze verändert sein, weil die Durchblutung der Haut zunimmt. Achten Sie auf Anzeichen einer Unterzuckerung (Zittern, Schwitzen, Verwirrtheit). Wichtig: Insulin darf nicht über 25°C gelagert werden – im Sommer gegebenenfalls im Kühlschrank aufbewahren. Sprechen Sie den Hausarzt oder Diabetologen an, ob eine Anpassung nötig ist.

Unser Rat: Sprechen Sie vor dem Sommer einmal mit dem Hausarzt über die Medikamente Ihres Angehörigen. Fragen Sie konkret: „Muss im Sommer etwas angepasst werden?" Das dauert fünf Minuten und kann einen Krankenhausaufenthalt verhindern. Setzen Sie niemals eigenmächtig Medikamente ab oder ändern Sie die Dosis – das entscheidet ausschließlich der Arzt.

Räume kühl halten – ohne Klimaanlage

Die meisten unserer Patienten haben keine Klimaanlage – und brauchen auch keine, wenn man es richtig macht.

Die Grundregel: Morgens zwischen 5 und 8 Uhr alle Fenster weit öffnen und durchlüften. Sobald es draußen wärmer wird als drinnen (meist ab 9 Uhr), alles schließen. Rollläden, Vorhänge oder Außenjalousien runter – besonders auf der Süd- und Westseite. Erst abends nach 20 Uhr wieder öffnen.

Zusätzliche Tipps: Ein Ventilator hilft, die Luft zu bewegen – aber richten Sie ihn nicht direkt auf den Patienten (Zugluft, Erkältungsgefahr, Austrocknung der Schleimhäute). Feuchte Handtücher über einem Wäscheständer im Raum kühlen durch Verdunstung. Das Schlafzimmer sollte möglichst auf der Nordseite liegen.

Bettwäsche: Wechseln Sie auf dünne Baumwoll-Bettwäsche. Keine Synthetik, kein Flanell. Ein dünnes Laken reicht oft als Zudecke.

Dehydration erkennen – die Warnzeichen

Als Pflegefachkraft sage ich Ihnen: Verwirrtheit bei Hitze ist fast immer ein Zeichen von Flüssigkeitsmangel – nicht von Demenz. Ich erlebe es jedes Jahr, dass Angehörige denken, die Demenz sei schlimmer geworden, dabei hat der Patient einfach zu wenig getrunken.

So erkennen Sie eine Austrocknung

Der einfachste Test: Ziehen Sie die Haut am Handrücken leicht hoch und lassen Sie los. Bleibt die Falte kurz stehen (länger als 2 Sekunden), ist das ein deutliches Zeichen für Flüssigkeitsmangel.

  • Trockene Lippen und Mundschleimhaut
  • Dunkler und wenig Urin (sollte hellgelb sein)
  • Plötzliche Verwirrtheit oder Unruhe
  • Schwindel beim Aufstehen
  • Kopfschmerzen, Müdigkeit und Antriebslosigkeit
  • Eingesunkene Augen

Wann Sie den Arzt rufen sollten: Wenn Ihr Angehöriger trotz Trinkangeboten verwirrt bleibt, wenn er nicht mehr trinken kann oder will, wenn der Urin dunkelbraun ist oder gar kein Urin mehr kommt.

Wann Sie den Notarzt rufen müssen (112)

Es gibt Situationen, da dürfen Sie nicht warten. Rufen Sie sofort den Notarzt (112) bei:

  • !Körpertemperatur über 39°C (Hitzschlag)
  • !Bewusstlosigkeit oder starke Bewusstseinstrübung
  • !Trockene, heiße Haut ohne Schwitzen trotz Hitze (Hitzschlag – lebensgefährlich)
  • !Krampfanfälle
  • !Herzrasen mit Schwindel und Atemnot

Bis der Notarzt kommt: Patienten in den Schatten bringen, Kleidung lockern, mit feuchten Tüchern kühlen (Stirn, Nacken, Handgelenke, Leisten). Nicht eiskalt – lauwarm reicht.

Körperpflege im Sommer anpassen

Bei Hitze passen wir als Pflegedienst die Versorgung an. Das können Sie auch zu Hause tun:

Waschen Sie Ihren Angehörigen mit lauwarmem Wasser – nicht kalt (das verengt die Gefäße und der Körper heizt danach erst recht auf). Feuchte Abreibungen mit einem Waschlappen auf Unterarmen und Nacken erfrischen zwischendurch. Achten Sie verstärkt auf die Hautfalten (Leiste, unter der Brust, Achseln) – bei Hitze und Schweiß entstehen dort schnell Hautreizungen. Leichte Baumwollkleidung, keine Synthetik. Offene Schuhe, wenn keine Sturzgefahr besteht.

Ernährung bei Hitze

Schwere Mahlzeiten belasten den Kreislauf zusätzlich. Bieten Sie lieber mehrere kleine Mahlzeiten an: Salate, kalte Suppen (Gazpacho), Joghurt, Quark mit Obst, belegte Brote. Wasserreiches Obst und Gemüse (Wassermelone, Gurke, Tomaten, Erdbeeren) liefern gleichzeitig Flüssigkeit. Salzige Brühe ist bei starkem Schwitzen sinnvoll – der Körper verliert mit dem Schweiß auch Elektrolyte.

Hitzeschutzplan – was Ihr Pflegedienst tun sollte

Seit 2024 empfiehlt der Qualitätsausschuss Pflege nach § 113b SGB XI, dass jeder Pflegedienst einen eigenen Hitzeschutzplan hat. Das bedeutet: Wir beobachten bei Hitze verstärkt den Zustand unserer Patienten, achten auf Trinkmenge und Hautturgor, passen die Versorgung an (z.B. zusätzliche Flüssigkeitsangebote, leichtere Kleidung), und informieren Sie als Angehörige, wenn uns etwas auffällt.

Bei Pflege zu Hause Liegl haben wir einen eigenen Hitzeschutzplan. Unsere Pflegekräfte sind geschult, bei Hitze gezielt auf Dehydrationszeichen zu achten und die Versorgung entsprechend anzupassen.

Wenn Ihr Pflegedienst das nicht tut, fragen Sie aktiv nach: „Haben Sie einen Hitzeschutzplan? Was machen Sie bei Hitze anders?" Ein guter Pflegedienst hat darauf eine Antwort.

Checkliste: Wohnung sommerfest machen

Bevor die erste Hitzewelle kommt, sollten Sie folgendes prüfen:

  • Funktionieren alle Rollläden und Jalousien?
  • Ist ein Thermometer im Wohnraum vorhanden (Ziel: unter 26°C)?
  • Ist genug Trinkmaterial vorrätig (Wasser, Saft, Brühe)?
  • Liegt leichte Sommerkleidung bereit?
  • Ist die Bettwäsche auf Sommer umgestellt?
  • Sind Medikamente kühl gelagert (unter 25°C, nicht im Badezimmer)?
  • Ist ein Ventilator vorhanden?
  • Kennen Sie die Nummer des Hausarztes und des ärztlichen Bereitschaftsdienstes (116 117)?

Häufige Fragen

„Wie viel sollte mein Angehöriger bei Hitze trinken?"

Mindestens 1,5 Liter, bei Temperaturen über 30°C eher 2 bis 2,5 Liter – sofern keine ärztliche Trinkmengenbeschränkung besteht. Im Zweifel den Hausarzt fragen.

„Mein Angehöriger will einfach nicht trinken – was kann ich tun?"

Probieren Sie verschiedene Getränke aus (Tee, Saftschorle, Brühe). Wassereis, Melone oder Gurke zählen auch. Manchmal hilft ein schönes Glas oder eine Tasse mit Lieblingsmotiv. Stellen Sie das Getränk direkt in Reichweite – nicht fragen, sondern hinstellen.

„Soll ich bei Hitze die Medikamente weglassen?"

Nein – niemals eigenmächtig Medikamente absetzen oder die Dosis ändern. Immer den Hausarzt fragen. Aber: Sprechen Sie das Thema aktiv an, besonders bei Entwässerungstabletten und Blutdrucksenkern.

„Ab welcher Temperatur wird es gefährlich?"

Ab 28°C Außentemperatur sollten Sie aufmerksamer sein. Ab 32°C wird es für pflegebedürftige Menschen kritisch. Entscheidend ist aber auch die Innentemperatur – über 26°C im Wohnraum ist zu warm.

„Mein Angehöriger ist plötzlich verwirrt – ist das die Demenz?"

Nicht unbedingt. Plötzliche Verwirrtheit bei Hitze ist sehr oft ein Zeichen von Flüssigkeitsmangel. Bieten Sie sofort etwas zu trinken an und beobachten Sie. Bessert sich der Zustand nicht innerhalb einer Stunde, rufen Sie den Arzt.

Rechtsgrundlagen & Quellen

§ 113b Abs. 4 Satz 3 SGB XI (Hitzeschutzpläne in Pflegeeinrichtungen und -diensten) · Bundeseinheitliche Empfehlung des Qualitätsausschusses Pflege zum Einsatz von Hitzeschutzplänen (Mai 2024) · Bundesgesundheitsministerium: Alter + Hitze · Pharmazeutische Zeitung: Arzneimittel und Hitze · Verbraucherzentrale: Pflege von Angehörigen bei Hitze

Unser Tipp aus der Praxis

Bereiten Sie sich jetzt auf den Sommer vor – nicht erst wenn die erste Hitzewelle da ist. Sprechen Sie mit dem Hausarzt über die Medikamente, stellen Sie die Bettwäsche um, und legen Sie sich einen Vorrat an Getränken und wasserreichem Obst an. Und wenn Sie unsicher sind: Rufen Sie uns an. Wir beraten Sie gerne.

Dieser Artikel ersetzt keine individuelle ärztliche oder pflegerische Beratung. Bei Fragen zu Ihrer konkreten Situation rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns.

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